Autor: Harald Ehren

  • DSDL – Deutschland sucht den Leistungsnachweis

    DSDL – Deutschland sucht den Leistungsnachweis

    Deutschland liebt Zeugnisse. Die Prüfung. Tabellen. Das Ranking. Den Benchmark. Audits. Kennzahlen. Die Evaluation. Den Zwischenstand. Vor allem: den Maßnahmenplan. Wahrscheinlich deshalb tun wir uns so schwer mit Wettbewerben, die andere Länder mit einer fast beneidenswerten Leichtigkeit behandeln: als Bühne, Spiel, Ritual, Gelegenheit zur Selbstinszenierung. Wir dagegen machen daraus sofort eine Standortbestimmung. Beim European Song…

  • Schärfer sehen mit Sonder

    Schärfer sehen mit Sonder

    Es gibt Wörter, die betreten einen Raum nicht laut. Sie kommen nicht mit Fanfare, nicht mit Anspruch, nicht mit jener begrifflichen Wichtigkeit, die sich in Seminaren und Sonntagsreden so gerne selbst begleitet. Sie sind eher wie ein spätes Licht. Es fällt auf etwas, das man längst gesehen hat, vielleicht seit Jahrzehnten, aber nie wirklich benennen…

  • Die Zeit redigiert

    Die Zeit redigiert

    Es gibt Daten, die geben sich unschuldig. Der 11. April ist so eines. Im Kalender steht in diesem Jahr: Samstag. Ganz sachlich, ganz harmlos. Und doch haben manche Samstage die Frechheit, eine Bilanz zu verlangen. Keine große. Keine mit Excel, Achsenbeschriftung und Kuchendiagramm. Eher eine stille Inventur des Lebens: Wer ist einem begegnet? Wer ist…

  • Als das bessere Argument noch ein Versprechen war

    Als das bessere Argument noch ein Versprechen war

    Zum Tod von Jürgen Habermas Mit Jürgen Habermas stirbt für mich nicht einfach ein großer Philosoph. Mit ihm verschwindet eine Figur aus der deutschen Öffentlichkeit, die mich immer an etwas erinnert hat, das heute beinahe aus der Zeit gefallen scheint: an den Ernst des Arguments. Ich habe Habermas nie nur als Gelehrten gelesen. Für mich…

  • Parthenope, Physik und Praxis – emulgiert

    Parthenope, Physik und Praxis – emulgiert

    Montag ist der Tag, an dem die Welt wieder so tut, als hätte sie alles im Griff. Kalender sind sauber, Posteingänge tun unschuldig, und irgendwo in einem Büro wird ein Meeting mit dem Titel „Alignment Q1“ eröffnet, als sei Alignment ein Zustand und kein Wunsch. Ich hingegen liege auf dem Sofa und klinge wie eine…

  • Kannen-Kompositionen

    Kannen-Kompositionen

    Jeder Mensch hat seine kleinen Marotten. Manche sammeln alte Postkarten, andere Wecker, die nie gestellt werden. Ich hingegen sammle – Teekannen. Nicht aus Jagdfieber, sondern, wie ich mir einrede, aus System. Ich kaufe sie, wie Frauen bisweile Handtaschen kaufen: eine für jede Gelegenheit, für jede Stimmung, für jeden Tee. Da ist die japanische Kyusu für…

  • Rise of the Himbo

    Rise of the Himbo

    Let’s start the week with a haiku: Glossy smile, soft heart, strength without a sharpened edge – the himbo ascends. The New York Times has discovered a new specimen of modern man: the himbo. Broad-shouldered yet soft-hearted, easy on the eyes yet unburdened by sharp opinions, he is billed as the Dream Guy of our…

  • Barbara, Bus, Bier – G’schichten zum Anstoßen

    Barbara, Bus, Bier – G’schichten zum Anstoßen

    Vor Jahr und Tag war ich Hamburg–München–Hamburg-Pendler. Kategorie „Businesskasper“. In beiden Metropolen fühlte ich mich gleichermaßen wohl – im Norden mit Alsterblick, im Süden mit Bergpanorama. Mein Ritual: vom Münchner Flughafen mit dem Lufthansa-Bus zum Nordfriedhof, dann weiter mit dem Taxi. Einmal saß eine junge Dame im Bus, die man nicht übersehen konnte: rote Haare,…

  • Die verschobene Freiheit

    Die verschobene Freiheit

    „Coming of Age“ – das klang für mich immer nach The Catcher in the Rye, nach Filmen wie Stand by Me oder Der Club der toten Dichter. Geschichten, in denen Heranwachsende ihr eigenes Freiheitsversprechen suchen: gegen Eltern, gegen Schule, gegen Konventionen. Doch was, wenn dieses Narrativ nicht mit dem Erwachsenwerden endet? Was, wenn auch Menschen…

  • Abiturienten, Anstand und Anarchie vor der Auferstehung

    Abiturienten, Anstand und Anarchie vor der Auferstehung

    Ach, der Frühling. Die Knospen sprießen, die Hormone toben, und vor den Schulen fliegen wieder Mehl, Klopapierrollen und Einhörner in Gummibooten durchs Bild – es ist Abistreich-Zeit. Die Abiturienten des Jahrgangs 2025 haben ihren Bildungsauftrag erfüllt (mehr oder weniger) und feiern das mit der hemmungslosen Euphorie einer Generation, die glaubt, Humor sei ein TikTok-Sound. Ich…

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