Casual Friday

Casual Friday

A view from above

Stadt – Land – Kunst

Als jemand, der, genau wie ich, aus einem ländlichen Umfeld stammt, kann man oft ein zwiespältiges Verhältnis zu Stadt und Land haben. Meine persönliche Reise begann mit einer frühen Abkehr von einem Dorf am bäuerlich geprägten unteren Niederrhein und führte mich zuerst in die künstlerische Bohème-Szene der nächstgelegenen Großstadt Düsseldorf, später nach Berlin. Heute, anstatt morgens und abends zwischen Prenzlauer Berg und Potsdamer Platz in Berlin mit der Tram zu pendeln, fahre ich nun auf einer Autobahn, die an den Song von "Kraftwerk" erinnert, durch das leuchtende Gelb und Grün der Rapsfelder in Holstein. Diese Reise bringt mich ins Nachdenken, ...
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Matchball Harmonie

Wer erinnert sich nicht an das kitzelnde Herzklopfen der ersten Liebe, die weichen Knie und die aufsteigende Hitze, wenn das Objekt unserer Begierde uns auch nur flüchtig zuwinkt? Einmal mehr fand ich mich gestern Abend auf einer nostalgischen Zeitreise, diesmal angetrieben von einer Netflix-Romantikkomödie - "Your place or mine", starring Reese Witherspoon und Ashton Kutcher. In der Handlung wird die heldenhafte Witherspoon mit einem vergifteten Kompliment einer böswilligen Ex attackiert: "Ich mag Deinen Jeansrock und den Generation-X-Sexappeal". Ich, ein stolzer Gen-X-Mann (und definitiv kein Boomer!), wurde abrupt in eine Zeit zurückversetzt, als ich ein Teenager war, eifrig Tennis spielend und ...
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Nichts als Horizont

Nichtsiger als Nichts gibt’s nicht. Oder gibt es doch? Wir wissen es nicht. Im Alltag sind wir häufig von Horizonten umgeben - eine natürliche Linie, die den Boden und den Himmel zu trennen scheint. Doch der Horizont ist weit mehr als nur eine optische Täuschung, er dient auch als Metapher für unser Verständnis des Unbekannten. Es handelt sich hierbei um eine Grenzlinie, die uns daran hindert, das zu sehen, was dahinter liegt, und symbolisiert somit die Grenzen unseres Wissens und unserer Vorstellungskraft. Diese metaphorische Interpretation des Horizonts spiegelt sich auch in der Physik wider, insbesondere in der allgemeinen Relativitätstheorie, wo ...
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Mütter managen

Aufwachsen unter der Führung von Müttern prägt uns nachhaltig. Meine Kindheit war stark geformt durch die liebevolle und fürsorgliche Erziehung meiner Großmutter Anna, die mich betreute, während meine Eltern arbeiteten. Im Kontrast dazu standen die strengen Nonnen im Kindergarten – weit entfernt von mütterlicher Wärme. Doch meine Tante Gertrud schaffte es immer wieder, die starre Ordnung der Nonnen durch ihre Kreativität aufzubrechen und mich für die Schönheit der Welt zu begeistern. Hieraus lässt sich eine wichtige Lektion für Führungskräfte ableiten: Anerkennung und Wertschätzung fördern eine positive und produktive Atmosphäre und motivieren das Team. Am 13. Mai 1923, genau 100 Jahre ...
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Dogs, Ducks, and Dufflecoats

Glory Days: Einst war ich wie viele andere ein wahrer Soho-Afficionado. Ein eifriger Besucher des Londoner West Ends, wo die Straßen zwischen Oxford Street, Regent Street, Piccadilly Circus, Leicester Square und Chinatown vor Lebendigkeit und Kreativität nur so strotzten. Ein Studentenjob in einem Pub gab mir die Gelegenheit, das bohemistische Flair dieses Viertels in vollen Zügen zu genießen. Und auch wenn mein bescheidenes Etablissement nicht mit dem famosen "The Dog and Duck" mithalten konnte, hatten wir doch alle eines gemeinsam: die Unvorhersehbarkeit und Faszination des Londoner Nachtlebens. Dies ist indes keine Geschichte über meine glorreichen Tage in Soho. Vielmehr eine ...
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Berliner Blackness Boomer

In der Kunstgeschichte gibt es den Topos von Arkadien. Ich hätte auch Ort schreiben können. Topos klingt aber bildungsbürgerlicher. An diesem Ort der klassischen Idylle jedenfalls tümmeln sich stramme Schäferjungs und liebreizende Mägde und allerlei Getier. Neben Schafen auch Vögel. Aktuell zwitschert und brummt es zumindest in der Hauptstadt, dem neuen Arkadien. Denn der Frühling in Berlin hat nicht nur die Vögel, sondern auch die Kunstliebhaber aus ihren Nestern gelockt. Sie machen sich auf den Weg zum 19. Gallery Weekend Berlin und lassen das Herz der Kunstszene höher schlagen. Und schneller als man "BER" sagen kann, tummeln sich Sammler, Künstler ...
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Wach im Werdenfelser Land

Noch wach? Dann gleich die Rosebud-Frage: Sind Sie auch auf dem Schulhof fürs Leben geprägt worden? Viele sind es. Ich gehöre dazu. Und zwar einerseits einigermaßen behütet in einem Dorf und einer Kleinstadt am Niederrhein und weniger behutsam immer für ein paar Monate im Jahr in einem Kaff in Oberbayern - der Junge musste halt an die frische Luft. Da wie dort waren meine Gegner die Bauernjungs. Denen konnte man nicht mit Worten und Argumenten begegnen und sie erst recht nicht verbal überzeugen. In Oberbayern habe ich sowieso kaum verstanden, was Sepp, Alois oder Ludwig von mir Preußenjungen wollten. Wo ...
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CEO-Leistung bürgerlich eingetuppert

Es wird ja immer schlimmer. Wenn jetzt schon CEOs wie Mathias Döpfner freidrehen, wie man dieser Tage lesen kann. Obgleich: es wäre wohlfeil, sich in den Chor der Kritiker einzureihen. Irgendwie arg bürgerlich. Eine ganz andere Meldung hat mich sowieso viel mehr berührt: Es war Sommer. Und ich noch ein Kind. Als ich die ersten Erfahrungen machte. Mit Cocktail-Tomaten, Käse-Oliven-Sticks und Frikadellen-Spießchen. Es war Tante Inge, die meine Mutter überredet hatte. Zu einer Tupper-Party. Tupperware, ein 77 Jahre altes Unternehmen, ist seit Jahrzehnten ein bekannter Name und ein Synonym für Vorratsbehälter. Die Marke sieht sich jedoch aktuell mit steigenden Schulden, ...
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Dante hat Zeit für die Matthäus-Passion

Können Sie sich erinnern? Wann Sie Ihren Glauben an Gott oder ein höheres Wesen verloren haben und den tieferen Sinn einer Bestimmung unserer Existenz? Sie bemerken am Einstieg dieser Kolumne: Heute ist kein Casual Friday, heute ist Karfreitag. Da gehen einem solche schweren Gedanken bisweilen durch den Kopf. Und es stellen sich grundsätzliche Fragen. Ich erinnere mich zumindest noch genau an den Zeitpunkt als der Allmächtige aus meinem Leben trat. Es war eine ähnliche Erinnerung wie an den 11. September 2001 oder den tödlichen Unfall von Prinzessin Diana, oder wie eine Meldung in der Tagesschau verlesen wurde, dass man erhöhte ...
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Landpute in e-Moll

I am terribly sorry, aber ich muss mich jetzt kurz halten. Gleich geht es mit King Charles III. auf seinem Deutschland-Besuch im gleichen ICE von Berlin nach Hamburg. Und ich will dem britischen Monarchen noch kurz zurufen, dass ich seine Ingwer-Plätzchen "utterly" liebe. Deshalb fix zum Thema. Es ist ein gravitätischer e-Moll-Akkord. Dann zwei lange Takte nichts. Gefolgt vom nächsten atmosphärischen Akkord. Das kammermusikalische Duett zwischen Cello und Klavier im "Main Theme" des Hollywood-Blockbuster "The Revenant" setzt einen raren musikalischen Akzent in einer Vertonung, die ansonsten vorwiegend im Hintergrund verharrt. Das Universum der Musik ist so reich und vielfältig wie ...
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